Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Kaltgang im Maschinensaal des ITZ

Kontakt

Helpdesk

Telefon: 0345 55 21 888

Kurt-Mothes-Str. 1
06120 Halle (Saale)

Sie erreichen uns
Montag-Donnerstag
8:00 Uhr bis 15:00 Uhr
Freitag
8:00 Uhr bis 12:00 Uhr

Weiteres

Login für Redakteure

Geschichte

Am 01.10.1961 wurde das Rechenzentrum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zunächst als einziges Rechenzentrum des damaligen Bezirkes Halle, das für einen breiten Nutzerkreis des Territoriums mit einem elektronischen programmgesteuerten Rechenautomaten, dem ZRA 1, rechentechnische Leistungen erbrachte, gegründet. Zu Beginn war das Rechenzentrum nicht selbstständig. Zunächst war es Bestandteil der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, der Fachrichtung Mathematik. Angegliedert war es am Institut für Numerische Mathematik, dessen Institutsdirektor Prof. Dr. habil. Schincke war.

Prof. Schincke

Prof. Schincke

Prof. Schincke

Das Institut für Numerische Mathematik befand in der Reichardtstraße 9 . Prof. Dr. Krötenheerdt leitete das Rechenzentrum.In dieser Phase des Aufbruchs leistete das Rechenzentrum der Universität bei der Erschließung von Anwendungsfällen für den Einsatz der Rechentechnik eine umfangreiche Pionierarbeit. Außerdem gab es seit Ende 1965 dort noch einen Analogrechner vom Typ endim 2000. Er war geeignet für schnelle Parallel-Rechnung von gewöhnlichen Differentialgleichungen mit einer Genauigkeit von 1%. Desweiteren gab es einen Digitalen Kleinrechner Cellatron SER 2d.

Nachdem 1971 der Neubau des ORZ (Organisations- und Rechenzentrum) am Weinbergweg 17 fertig gestellt war, wurde das Rechenzentrum innerhalb der Universität zu einer selbstständigen Einheit. Dies war gleichzeitig der Zeitpunkt, eine EDVA (Elektronische Datenverarbeitungs Anlage) der 2. Rechnergeneration, Robotron 300, in Betrieb zu nehmen.

Zentraleinheit des R300

Zentraleinheit des R300

Zentraleinheit des R300

Dieser Rechner brachte eine 25-fache Leistungssteigerung gegenüber dem ZRA 1 und konnte ca. 5000 Operationen pro Sekunde ausführen. Durch Einführung des Magnetbandspeichers wurde es möglich Massendaten zu speichern und durch einen alphanumerischen Tabellendruck auch auszugeben.

Zwar ist im Vergleich zur Programmierung in direkter Maschinensprache zum ZRA1, beim Robotron 300 die maschinenorientierte Assemblersprachenprogrammierung (MOPS) ein Fortschritt. Jedoch die maschineninternen Abläufe waren nicht mehr so gut überschaubar.

Die Programmiersprache ALGOL-60, die schon seit 1965 unter ZRA1-Bedingungen eingesetzt wurde, war zunächst die einzige problemorientierte Programmiersprache. Erst Mitte der 70er Jahre kam FORTRAN hinzu. Außer dem R300 wurden, unter der Regie des ORZ, an der Universität noch zwei Kleinrechenautomaten von Typ C 8205 in Betrieb genommen. Sie waren in ersten Linie für den Einsatz in der Ausbildung konzipiert. Durch die feierliche Inbetriebnahme des ESER Rechners EC 1040 am 18.12.1979, mit einem Festakt, wurde die rechentechnische Basis der 80er Jahre geschaffen.

Vorausgegangen war eine ca. 5-jährige intensive Vorbereitungszeit auf Fremdanlagen, Akademie der Wissenschaften Leipzig, VEB Buna – Werke und der Deutschen Reichbahn Halle, diese ermöglichten den effektiven Betrieb beim Übergang vom R300 auf den EC 1040. Die Rechengeschwindigkeit erhöhte sich um das 80-fache gegenüber dem R300 (380.000 Operationen pro Sekunde). Gleichzeitig wurde mit der Installation der Mehrfachsteuereinheit, des Multiplexers MPD 4, eine wichtige Voraussetzung für die Datenfernverarbeitung geschaffen. Hinter der Bezeichnung MPD 4 verbirgt sich der Kleinrechner SKR 4201. Der Rechner diente als Terminal-Steuer-Rechner für 8 Bildschirmarbeitsplätze (PBT 4000K). Über seine acht Modems TAM1 konnte er einen Dialogbetrieb unter TSO (Time Sharing Option) aufnehmen. Der eigentliche Dialogbetrieb (zeitweise) wurde mit der Hautspeichererweiterung auf 1024 kByte im Juni 1981 erreicht.
Der EC 1040 war eine mittelgroße Anlage der dritten Rechnergeneration, die sich auszeichnete durch:

  • eine große Hauptspeicherkapazität
  • hohe interne Verarbeitungsgeschwindigkeit und
  • ein großzügig ausgelegtes Ein-/Ausgabesystem (5 Kanäle)

Vom Juni bis November 1987 wurde teilweise die Peripherie des EC 1040 abgebaut, um Platz zu schaffen für eine ESER 2 Anlage, den EC 1036, der noch im Herbst gleichen Jahres in Betrieb genommen wurde.Im Dezember 1989 erhielt das Rechenzentrum aus Westberlin eine IBM S/38 (ohne Bilderschirm und ohne Betriebssystem) geschenkt. Diese Maschine wurde zwar aufgestellt, lief jedoch nie im Produktionsbetrieb und wie sich später herausstellte, befand sich das Betriebssystem noch auf der Festplatte. Eine Besonderheit dieser Maschine waren die 8" Diskketten.

Nach der Wende kam die Zeit der Vetreter der großen Computerfirmen. Die Firma IBM schenkte der Universität im Jahre 1991 eine zwei Prozessoranlage IBM 4381. Dafür wurde die ZE vom EC 1040 im Sommer des gleichen Jahres abgebaut und an der gleichen Stelle die IBM 4381errichtet. Im Oktober wurde sie dann in Betrieb genommen. Im September 1992 erfolgte das Abschalten des EC 1036, Abbau und Lieferung nach Kiew. Am 30.06 1993 wurden die IBM 4381 abgeschaltet und im August des selben Jahres vekauft. Im November 1992 wurde ein IBM Cluster, bestehend aus 6 IBM RS 6000, geliefert. Sie wurden auf dem Platz aufgebaut, wo früher der EC 1036 stand. Verbunden waren die 6 IBM RS 6000 über einen FDDI Ring.
Dann wurde auf Wunsch der Anwender ein Parallelrechner bei der DFG1) im Sommer 1995 beantragt. In einer Beratung mit den Hauptnutzern im August 1996 fiel dann die Entscheidung auf eine CONVEX SPP 2000. Sie wurde in drei Stufen geliefert.

Die Universitätsvernetzung begann im Jahr 1992 mit Backbone auf den Campus Weinberg und mit Postmietleitungen zu den Hauptstandorten der Universität. Im Jahr 1993 war der Beginn der Planung eines FDDI-Ringes (Fiber Distributed Data Interface). 1994 war Baubeginn am Campus Weinberg. 1995 wurde der Campus Weinberg abgeschlossen und begonnen, nach und nach die anderen Standorte der Universität, die bisher über Postmietleitungen versorgt wurden, in den FDDI Ring einzubinden. Diese Entwicklung wurde im Jahre 2000 vorläufig abgeschlossen.
In der Zwischenzeit wurde ein Antrag bei der DFG über ein Backup-, Archiv- und Fileserversystem gestellt, um das gewachsene Datenvolumen der einzelnen Fachbereiche der Universität zentral zu verwalten. Nach zweijähriger intensiver Diskussion mit der DFG wurde am 04.07.2000 das System in einen Kolloquium offiziell übergeben. Am 13.08.1991 erhielt die Universität einen Anschluß an das Wissenschaftsnetz über den DFN2-Verein. Der Anschluß war 9600 Bit/s. Im Februar 1993 wurde dieser Anschluß auf 64 KBit/s erweitert. Im März 1995 fand der Anschluß eine Erweiterung auf 2 MBit/s. Dieses reichte nur für kurze Zeit, bis August 1996, dann wurde der Anschluß auf 34 MBit/s aufgerüstet. Im Dezember 1998 wurde ein Anschluß von 155 MBit/s in Magdeburg installiert, davon bekam die Universität ca. 60 MBit/s. Im April 2001 bekam die Universität wieder einen eigenen Anschluß von 155 MBit/s. Diese Anschluß reichte bis Januar 2006. Ab da hatte die Universität einen Anschluß von 300 MBit/s und ab Januar 2007 600 MBit/s.

1) DFG = Deutsche Forschungsgemeinschaft  
2) DFN = Deutsche Forschungsnetz

Literaturverzeichnis
[1] Konferenz "Der Computer als intelligentes Arbeitsmittel" vom 24. bis 26. September 1986. Ausführliche Beiträge. Johannes Krötenheerdt [HRG]

Zum Seitenanfang